Besuch in Sarajevo 2012

Besuch des Vorstandes von
BISER-Wiesbaden in Sarajevo 2012

In der Zeit vom 18. bis 21. September stattete der Vorstand von BISER Wiesbaden den Zentren in Bosnien und Herzegovina einen Besuch ab, um sich vom Zustand der Häuser und der Arbeit vor Ort zu unterrichten. Die Leitung des Gesamtprojektes liegt bei Aida Daidžić, die in Sarajevo ein Architekturbüro betreibt, und Eldina Mehič.

Aida Daidžić

Anlass Anlass war der Umstand, dass Dank der großzügigen Unterstützung des Auswärtigen Amtes alle drei Häuser in Sarajevo, Tuzla und Travnik neun Monate des Jahres 2012 betrieben werden können. Die Reise wurde durch eine private Spende finanziert.
Die Häuser In allen drei Häusern werden Deutsch- und Englischkurse angeboten. Sie sollen Grundkenntnisse A1, die Voraussetzung sind, an der Universität weiterführende Kurse zu belegen, vermitteln. Ein Kurs dauert zwei Monate. Die Teilnehmerinnen sind mittellos und können die kostenpflichtigen weiteren Kurse daher nicht belegen. Es besteht also dringender Bedarf an weiterführenden Kursen in den Häusern.

Eldina Mehič

Die Lehrerinnen für Deutsch und Englisch beherrschen in allen drei Häusern die zu lehrende Sprache akzentfrei und perfekt.

Sarajevo-Ilidža

Am 18. September wurde das Haus in Sarajevo-Ilidža aufgesucht. Der ungewöhnlich strenge Winter hatte einige Frostschäden im Haus verursacht. Einige Wasserleitungen und alle Heizkörper waren geplatzt und mussten erneurt werden. Die Schäden am Parkett sind noch nicht behoben. Es fehlt das Geld. Aber dank einer großzügigen Spende der isländischen Regierung konnten neue Computer und Nähmaschinen angeschafft werden. Die Schule wird von Amila Šabanović geleitet. Die Kurse werden von Frauen ohne Unterschied der Religion oder Ethnie besucht. Irgendwelche Spannungen gibt es nicht.

Dr. Ísleifsdóttir-Bickel mit Deutschlehrerin Inesa Pišmo

Der Deutschkurs ist sehr nachgefragt und gut besucht. Der Vorstand konnte sich von den bisher erworbenen Kenntnissen und der Motivation der Lehrerin Inesa Pišmo und der Kursteilnehmerinnen überzeugen. Das gleiche gilt für den Englisch-Kurs, der aber an diesem Tag nicht stattfand. Aber die Lehrerin war anwesend.

Computerkurs mit der Lehrerin Amela Mujak

Im Raum für den Computerkurs fand an diesem Tag Unterricht statt. Auch dieser Kurs ist sehr gut besucht. Es stehen zehn Computer zur Verfügung. Es werden Grundkenntnisse in Word und Excel vermittelt. Die von BISER ausgestellten Zertifikate werden von den Arbeitgebern anerkannt und helfen bei der Suche nach einer Arbeitsstelle.

Nähkurs

In einem weiteren Raum fand unter der Leitung von Jasmina Omerović der Nähkurs an sieben Nähmaschinen statt. Die Frauen erhalten das Material vom Verein gestellt und können ihre Arbeiten anschließend nach Hause mitnehmen. Auch er ist gut besucht. Wenn er auch bei der Stellensuche nicht so förderlich ist, wie der Computerkurs, so können sich die Frauen immerhin nach eigenen Entwürfen Kleidung herstellen.

Abschlussbesprechung mit der Leitung

Tuzla

Am 19. September wurde das Haus in Tuzla besucht. Hier besteht das Problem darin, dass das Haus über mehrere Jahre nicht betrieben werden konnte, weil das Geld fehlte. Damit hatte sich das Stammpersonal anderweitig nach Verdienstmöglichkeiten umsehen müssen. Motivation und Teamgeist müssen bei der neuen Mannschaft erst aufgebaut werden. Die Leiterin ist Azra Hasanović.

Zeugnisvergabe

Das Haus ist inzwischen gut in Schuss. In der Zeit des Besuches wurde gerade Englisch unterrichtet. Lehrerin ist Merjem Sušić. Außerdem fand die Übergabe der Ausbildungszertifikate für die vorigen Kurse statt. Der Computerkurs war erst am Abend. Die Vorsitzende überzeugte sich über die Qualität der Ausbildung.

Deutschkurs mit der Lehrerin Zerina Janković

Auch hier ist das Ausbildungsziel die Anfängerstufe A1. Der Kurs ist gut besucht und ausgebucht. Auch der Nähkurs unter der Leitung von Azra Alijagić ist stark nachgefragt. Wie in Sarajevo wird auch hier das Material vom Verein gestellt, und die Schülerinnen können anschließend ihre Arbeiten nach Hause mitnehmen.

Tuzla Nähstube

Für die ärztliche Versorgung fehlt es an ausreichenden Medikamenten. Die Besucherinnen sind arbeitslos und haben daher auch kein Geld für eine Krankenversicherung. Die Medikamente sind sehr teuer. Der Verein wird sich bemühen, das Budget für Medikamente aufzustocken.

Abschlussbesprechung mit Zerina Janković

Travnik

Am 20. September wurde das Haus in Travnik besucht. Dort findet der Unterricht im I.Stock statt. Das Haus hat im letzten Winter unter den Schneemassen gelitten. Das Dach war eingedrückt. Es ist notdürftig repariert, bedarf aber noch weiterer Reparaturmaßnahmen. Der Ort ist sehr arm. Es gibt weder ein Gemeinschaftshaus, noch eine Sporthalle, noch ein Kino oder Theaterraum, obgleich hier das Amateurtheater eine lange Tradition hat. Dem entsprechend streben die jungen Menschen aus dem Ort.

Die Ausbildungsstätte in Travnik ist die älteste Schule des Vereins und steht seit über 15 Jahren unter der Leitung der Ärztin und ehemaligen Bürgermeisterin von Travnik Dr. Hasija Hadžić. Ihr Team ist hochmotiviert und war vollständig anwesend.

Nähkurs

Während des Besuches fand unter der Leitung von Azra Salkić gerade der Nähkurs statt. Früher war im Ort die Kleiderfabrik Konfekcija "Borac" d.d Travnik der größte Arbeitgeber, der die von BISER ausgebildeten Frauen gerne aufnahm. Dann wurde die Fabrik privatisiert, was zunächst zu Entlassungen führte. Jetzt allmählich werden wieder qualifizierte Schneiderinnen eingestellt.

Die Rechtsanwältin Nina Sulejmanpašić, die die juristische Beratung übernommen hat und zu den Mitarbeiterinnen der ersten Stunde gehört, berichtete, dass unmittelbar nach dem Krieg die Erbschaftsprobleme im Vordergrund standen.

Die Computerlehrerin Selma Imamović

Jetzt hat sich das Aufgabengebiet etwas verschoben, und die Probleme auf dem Gebiet des Arbeitsrechtes und der innerfamiliären Gewalt stünden im Vordergrund.

Die Ärztin berichtete, dass die Medikamente, die aus dem sechswöchigen Budget angeschafft werden, etwa nach vier Wochen aufgebraucht seien. Auch hier kommen nur mittellose Frauen, die auch nicht krankenversichert sind. Die häufigsten Erkrankungen seien posttraumatische Störungen, da die Kriegsereignisse noch immer nicht verarbeitet und bewältigt seien und die Frauen noch im Schlaf verfolgten. Danach kämen Gelenkleiden, da viele bis ins hohe Alter zur Nahrungsbeschaffung auf kleinen Flächen mit unzureichenden Geräten Ackerbau betrieben.

Bei der Ärztin Amra Čičkušić im Behandlungszimmer

Für die ärztliche Versorgung fehlt es an ausreichenden Medikamenten. Die Besucherinnen sind arbeitslos und haben daher auch kein Geld für eine Krankenversicherung. Die Medikamente sind sehr teuer. Der Verein wird sich bemühen, das Budget für Medikamente aufzustocken.

Abschlussbesprechung

Die Computer sind total veraltet und laufen mit 333 Mhz unter Windows ME mit Röhrenbildschirmen. Das Geld aus Island hat für eine Erneuerung in Travnik nicht gereicht. Nur die Ärztin hat einen neueren Computer mit Flachbildschirm und Internet-Anschluss in ihrem Behandlungszimmer.

Ergebnis

Der Vorstand von BISER Wiesbaden konnte sich insgesamt davon überzeugen, dass in allen drei Zentren sehr gute Arbeit geleistet wird. Die vom Auswärtigen Amt zur Verfügung gestellten Gelder sind verlustfrei für die Ausbildungsziele junger Frauen mit großem Erolg eingesetzt worden.

V.i.S.d.P.: Christian Bickel
© BISER International Sektion Deutschland